Ägypten Mythologie,...Die Reise des Sonnengottes durch die Unterwelt

       
 

 

Der Sonnengott Re stand jeden Morgen auf und trat seine Reise über den Himmel in seiner Tagesbarke an. Auf seiner heiteren Fahrt von Osten nach Westen kontrollierte er in 12 Stunden seine 12 Provinzen. In der Nacht jedoch musste er mit der Nachtbarke eine gefährliche Reise durch die Unterwelt machen, während das Land in Dunkelheit lag. Der Mythos, der seine nächtliche Tortur erzählt, beginnt mit Einbruch der Dunkelheit.

Der Sonnengott hatte den westlichen Horizont erreicht und machte sich bereit für die nächtliche Fahrt. Alles war vorbereitet für die Fahrt auf dem Fluss Wernes, die ebenfalls 12 Stunden dauern würde.

 

Bild:: Die elfte Stunde

 

Entlang der Strecke der nächtlichen Reise des Re lauern Gefahren wie die Schlange Apophis. In jeder dieser zwölf Nachtstunden werden die Guten belohnt und die Bösen bestraft. Auf der Szene unten ist die elfte Stunde dargestellt: der Pharao steigt in den Himmel auf und die Barke des Re fährt die mittlere Bahn entlang. In der unteren Ebene zu der keine Sonne dringen kann, befinden sich die Verdammten.

 

In der ersten Nachtstunde schiffte sich Re mit einer Mannschaft von Göttern auf seiner Nachtbarke ein. Hierzu gehörten unter anderem „Öffner der Weg“ und „Führer des Bootes“. Außerdem begleiteten ihn zwei Gruppen von neun Pavianen, die für Re sangen, als er die Unterwelt betrat, und die Turen für ihn öffneten. Zwölf Schlangengöttinnen waren mit von der Partie, und sie waren für die Beleuchtung zuständig. In der zweiten Nachtstunde segelte Re in der Gegend des Wernes, wo er den Korngöttern Landrechte garantierte. Die dritte Stunde war einem wichtigen Ritual vorbehalten: Re brachte Osiris, den Gott der Unterwelt ins Leben zurück, indem er ihm zwei göttliche Kräfte schenkte. In der vierten Stunde erreichte er eine Passage, die ein Weg zur Unterwelt durch ein bestimmtes Tor war. Die Einfahrt war von Toten eingenommen, und der Weg führte direkt zum Körper des Begräbnisgottes Sokaris und dem Grab des Osiris. Die Passage wurde von seltsamen Schlangen bewacht: Manche hatten Menschenköpfe und kurze Beine, andere hatten mehrere Schlangenköpfe und Flügel.

 

 

 

Die Gefahren der Reise

In der fünften Stunde wurde die Sonnenbarke über einen Hügel geschleppt, der Hügel des Sokaris hieß, - in Wahrheit aber das Grab des Osiris war. Deshalb standen Isis und Nephthys, die Schwestern des Osiris, in Gestalt von Milanen neben dem Hügel. Das Schleppseil der Barke wurde von einem Skarabäus gehalten, Symbol für baldiges Auftauchen des Sonnengottes aus der Nacht in Form der Skarabäus-Gottheit Khepri. Die Einfahrt in den Hügel wurde von vier feuerspuckenden Köpfen bewacht. Noch ausgefallener war allerdings eine Ur-Verkörperung des Re selbst, die an diesem Punkt der Reise auftauchte: Sokaris auf einer Schlange balancierend, die an dem einem Ende einen Menschenkopf und am anderen Ende drei Schlangenköpfe hatte; er tauchte aus einem Hügel auf, auf dem Rücken des Aker stehend, dem Löwengott der Erde mit zwei Köpfen.

In der sechsten Stunde besuchte Re Thoth den Gott des Mondes, der Weisheit und der Schrift, der als Pavian erschien und seine andere Gestalt den Ibis, in der Hand hielt. Thoths Aufgabe in diesem Mythos war es, eine Stadt für die Götter und Herrscher von Ägypten zu finden. Re traf noch ein Bild seiner selbst – den Mistkäfer, der im Tode als Khepri im Körper einer fünfköpfigen Schlange eingesperrt war.

In der siebten Stunde segelte Re an den Feinden des Osiris vorbei. Dann stand er seinem allerschlimmsten Feind gegenüber dem Schlangendämon Apophis, der die Sonne verschlucken wollte. Res Zauberkräfte erlaubten ihm, der Schlange relativ nahe zu kommen, wenn sie in irgendeiner Weise behindert war. Glücklicherweise hatte Apophis Messer in seinem Rücken stecken, so das Re unbehelligt vorbeifahren konnte.

Die achte Stunde hielt noch mehr Feinde für Re bereit, aber glücklicherweise hatte er ein paar menschenköpfige Diener, die diese mit ihren Messern vernichteten. Viele Gottheiten, unter anderem rattenköpfige und mungoköpfige, riefen Re an, als er an ihren Höhlen vorbeifuhr. In der neunten Stunde traf Re auf die zwölf bedrohlichen Wächter des Osiris, feuerspuckende Kobras, die sich vom Blut ihrer Gefangenen ernährten. Vorbei ging es an Gottheiten der Baum- und Pflanzenschnitzer, die viel weniger bedrohlich waren und nur ihre Palmzweige vor dem Gott schwenkten.
 

 

 

 

Das Buch der Tore

Der Name  Buch der Tore stammt vom französischen Ägyptologen Auguste Mariette. Auch dieses Buch erzählt von der nächtlichen Reise des Re. Dabei musste der Sonnengott mehrere Zonen durchwandern, die untereinander durch von bösen Geistern und Schlangen bewachte Tore verbunden waren. Um sie gefahrlos durchschreiten zu können, musste der von Göttern begleitete Re Zauberformel sprechen und die Geister um Erlaubnis fragen. Neu in diesem Buch gegenüber den früheren war, dass Osiris über den Verstorbenen zu Gericht saß. Das Buch der Tore ist in vielen Königsgräbern des Neuen Reichs dargestellt, wie hier im Grab von Haremhab.

 

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